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> Postoperatives Delir, auf der Narkose hängen geblieben?

post Dec 20 2016, 22:47
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Salvianaut
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Da unsere Patienten immer älter und auch längere Operationen technisch immer besser werden, bleiben immer weniger Patienten "auf dem Tisch". Selbst mit 80 überstehen sie noch problemlos Eingriffe, die noch vor 20 Jahren häufig letal waren. Viele entwickeln aber danach ein postoperatives Delir. Sie scheinen nicht mehr klar im Kopf, von räumlicher und zeitlicher Desorientierung bis zu Zuständen, dass sie Angehörige nicht mehr erkennen. Was sich davon nicht ganz schnell wieder gibt, landet oft als Pflegefall, obwohl sonst keine körperlichen Beeinträchtigungen bestehen.

Also auf den Drogen der Narkose hängen geblieben?
Könnte man oft fast so nennen. Es ist für die Patienten eine Kombination völlig unbekannter, traumatisierender Erlebnisse.

Ansätze könnten da durchaus sein, dass Personen, die ihrem Leben vorher psychoaktive Substanzen wie z.B. psilocybinhaltige Pilze, LSD oder andere Halluzinogene konsumiert haben, mit solchen Situationen sehr viel besser umgehen können, weil sie solche Situationen schon unter sichereren Bedingungen erlebt haben (unverletzt, gewohnte Umgebung zu Hause, bei vollem Verstand unter dem Wissen, dass sie bewusstseinsverändernde Drogen konsumiert haben...)

Leider gibt es keine aktuellen Studien zu dem Thema und wird es auch zeitnah kaum geben, weil solche Forschungsarbeit aktuell praktisch nicht mehr toleriert wird.

Ideen oder geistige Ergüsse zu dem Thema?



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Religion ist die einzige Droge von der es keine unbedenkliche Dosis gibt
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post Dec 20 2016, 23:08
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Salvianaut
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Das nennt sich Postoperatives Durchgangssyndrom und kommt gehäuft bei älteren Menschen vor und daher das sie Medikamente anders verstoffwechseln als Jüngere. Delir ist eine veraltete und heute fast nicht mehr gebräuchliche Bezeichnung dafür. Hinzu kommt, dass ältere sehr oft weniger Trinken (fehlendes Durstgefühl) so das sie von daher schon zu Verwirrtheit neigen können. Andererseits kann man schon im Vorfeld sagen das gewisse OP's eine anschließende Verwirrtheit in der Aufwachphase machen können. So oft bei Herz Op's.

Aber auch jüngere können ein Durchgangssyndrom entwickeln wenn sie z.B. längere Zeit beatmet wurden. Das kommt daher weil sie um sie beatmen zu können einen Mix aus anästhesierenden und sedierenden Medikamenten bekommen der sie die Beatmung tolerieren lässt. Selbst wenn die Halbwertzeit dieser Medikamente nur kurz sind stellt sich der Kreislauf auf sie ein und spielt ihnen Streiche.

Eine vorraus gehende Erfahrung mit was auch immer für Substanzen bewahrt einen nicht davor in diesen Zustand zu geraten oder besser mit ihm umgehen zu können weil die aktuelle Erfahrung zu real für den Betroffenen ist.
Ein Durchgangssyndrom klingt innerhalb einer Woche meist ohne weitere Folgen wieder ab. Bei dem einen schneller als bei dem anderen.

Der Beitrag wurde bearbeitet von chronic am Dec 20 2016, 23:14 Uhr.


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post Dec 21 2016, 06:28
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Salvianaut
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Mein Opa hatte mit - lasst mich nicht lügen - etwa Afang 70 eine Hüft-OP.
Für den bis dahin (bis auf die schmerzende Hüfte) völlig fitten Mann der den ganzen Tag mit Gartenarbeit verbrachte, seine Zigarren und die Zigaretten seiner Frau mit dem Rad aus dem Nachbarland einschmuggelte (immerhin etwa 2x 15 km)war dass das Ende.
Er entwickelte ein Durchgangssyndrom und als er nach - tatsächlich etwa 7 Tagen- geistig wieder fit war, war schon abzusehen das er diese Erfahrung nicht überlebt. Nach einem Jahr war er tot.
Ich kann mich dran erinnern das nicht nur Verwirrtheit eine große Rolle spielte sondern wärend des Durchgangssyndroms auch große, teilw. fast panikartige Angst.
Ich kann mir schon vorstellen das jemand der sich mit ähnlichen Zuständen auskennt (selbst wenn er sich nicht klar daran erinnern kann) in so einer Situation "enstpannter" bleibt. Eine Annahme die -finde ich- wirklich nahe liegt und für deren Überprüfung sich kein Geldgeber für eine Studie finden lassen wird sad.gif
Ich könnte mir sogar vorstellen das eine Psychedelikagabe selbst im akuten Zustand beim Nachlassen der Wirkung auch das "Delir" mithaufhellen - aber, natürlich könnte auch das Gegenteil der Fall sein.
Ich gehe davon aus das diese Woche der Verwirrtheit und Angst meinem Opa irgendwie jede Zuversicht und Lebenswillen geraubt hat und das er vielleicht länger und auch zufriedener hätte leben können wenn er diese Erfahrung besser wegstecken oder er hinterher die Erfahrung hätte aufarbeiten können.

Der Beitrag wurde bearbeitet von Herr von Böde am Dec 21 2016, 06:45 Uhr.


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"Bildung muss immer darauf abzielen liebgewohnte Denkmuster zu erschüttern."
- Prof. Dr. Rainer Rothfuß

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